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Travertin - Herkunft und Verlegung

(Bilder der Fa. Caucci home)

Travertin -  mal elegant, mal rustikal

Travertin war schon bei den Römern ein beliebtes Gestein, das in der lateinischen Sprache damals „lapis tiburtinus“ genannt wurde. Übersetzt heißt das Stein aus Tibur, dem heutigen Tivoli. Heute kommt Travertin aus vielen Teilen der Erde. Neben Italien ist der Iran einer der Hauptlieferanten für dieses dekorative Gestein. Travertin wird zwar seit Urzeiten für Bauwerke verwendet, ist aber geologisch gesehen ein junges Gestein, dessen Alter selten mehr als 2 Mill. Jahre beträgt. Vorraussetzung für die Bildung dieses Süßwasserkalkes ist das Vorhandensein von fließendem Süßwasser und bereits vorhandenen Kalksteinen oder Marmor.
Die berühmten Kalkterrassen in Pamukale sind ebenfalls Travertine, mit dem Unterschied, dass Thermalquellen für die Bildung des Steins verantwortlich sind. In Deutschland sind einige abbaufähige Travertine zu finden. Cannstatt und Bad Langensalza sind die bekanntesten, heute noch im Betrieb befindlichen Abbauorte. Aber auch der Elmkalkstein aus Königslutter gehört zu den Travertinen. Der war dort unter dem Namen „Duckstein“ bekannt und ist Namensgeber des gleichnamigen Bieres. Die in der fränkischen Alb häufig auftretenden „steineren Rinnen“ sind ebenfalls abgelagerte Travertine. Auerkalk hat zwar auch große Poren, ist aber kein Travertin, sondern ein Schillkalk.
In den 70er Jahren war der Travertin ein sehr angesagtes Material. Noch vor Botticino, Trani und dem nicht mehr abgebauten Monte Claro war insbesonders die Variante „gegen das Lager“ gefragt für Wohnzimmertische und auch für Fassaden. Dann war es jahrelang still um dieses Material. In den letzten zwei Jahren gibt es eine Renaissance des Travertins. Aber nicht nur das in den 70er Jahren verwendete italienische Material ist gefragt. Neue Farben und Strukturen sind erhältlich. Es gibt aus dem Iran sehr rustikale Sorten, die sehr gut zu einer mediterranen Gartenterrasse passen und feine elegante Sorten. Auch aus der Türkei werden mittlerweile einige Sorten von uns importiert.
Die Oberflächen des Travertin haben sich weiterentwickelt. Gebürstete Oberflächen haben einen optischen Effekt, wie eine patinierte Oberfläche, wie sie sich sonst erst nach Jahrzehnten des Gebrauchs einstellt. Eine chemische Behandlung gibt es bei diesem Verfahren nicht.

Wie kommen die Löcher in den Travertin?
Die Löcher entstehen nicht durch die von Loriot bekannte Steinlaus, sondern durch chemische und biologische Prozesse. Das Wasser aus Quellen ist meist kalt. Je tiefer die Temperatur und je niedriger der pH Wert (saure Quellen), desto besser kann Calciumcarbonat im Wasser angereichert werden. Tritt das Quellwasser aus, wird es durch die Umgebung wärmer, die Aufnahmefähigkeit von Calcium nimmt ab und das Wasser versucht, den Überschuß „loszuwerden“. Dabei entstehen die Kalkkrusten an den Stellen, wo das Wasser z.B. über eine Kante läuft und sich ein Unterdruck aufbaut (Kavitationseffekt). Auch an Pflanzen kann dies geschehen. Die Löcher entstehen einerseits durch überkrustete Pflanzen, die hinterher verrotten, andererseits durch rein mineralisch entstandene Zonen. Das erklärt, warum die meisten Poren linsenförmig sind.

Im Lager oder gegen das Lager, was ist besser?
Das kommt auf den Verwendungszweck an. Bei Bodenbelägen ist es sinnvoller, gegen das Lager zu schneiden, da dann die natürlichen Hohlräume eher die Form eines Augenlids haben und bei Punktlast nicht so leicht wegbrechen. Bei einem „im Lager“ geschnittenen Travertin sind die Hohlräume wesentlich geringer belastbar. Man läuft sozusagen auf Kuppeldächern, die leicht einbrechen. Stöckelschuhe und hohes Gewicht oder anderehohe Punktlast durch Hubwagen oder führen zu Reklamationen. Besonders bei gespachteltem Material kommen häufig Reklamationen vor, denn die noch nicht offenen Kuppeln kann man nicht schließen. Für alle Bereiche, die nicht mit Schuhen betreten werden, ist es eine Frage des Geschmacks.

Gespachtelt aber womit?
Es gibt zwei Möglichkeiten der Spachtelung, die beide ihre Vor- und Nachteile haben.
1) Zementspachtelung
Mit Hilfe eines eingefärbten Zements werden die Hohlräume weitgehend gefüllt. Dann wird die gesamte Oberfläche geschliffen und ggf. auch poliert. Nachteilig ist, dass die gespachtelten Stellen immer rauer und matter wirken als das umgebende Gestein. Bei Sanierung durch Schleifen kann es vorkommen, dass Anteile aus der Spachtelung Kratzer verursachen. In Außenbereichen verwittert die Zementspachtelung schneller als der Travertin. Da der Spachtel und der Travertin fast die gleiche Temperaturausdehnung haben, ist der Einsatz auf Fußbodenheizungen relativ unproblematisch
2) Polyester
Der Vorteil der Polyesterspachtelung ist der bessere Glanz und die glatte Oberfläche. Auch bei einer Sanierung „krümelt“ sie nicht aus. Problematisch ist der Kunststoff bei größeren Poren (Fingerbreite), denn bekanntlich schrumpft Polyester bei der Polymerisation relativ stark. Das kann dazu führen, dass die Füllung wieder herausfällt. Ist die Öffnung zu klein, kann man die Paste nicht richtig nach unten drücken. Das kennt jeder Steinmetz, der schon mal eine Kante gespachtelt hat. Polyestergespachtelte Platten sind für Außenbereiche nicht geeignet, da dieser Kunststoff nicht frostbeständig ist.

Soll man überhaupt spachteln?
Das ist pauschal nicht zu beantworten. Travertin, der ungespachtelt ist, hat wesentlich bessere Gebrauchseigenschaften, weil keine Zusatzstoffe eingebunden sind. Allerdings ist die Anschmutzung der Porenräume relativ hoch und in unseren Breiten oft nicht erwünscht. Bei pingeligen Kunden sollte man vielleicht auf ein anderes gebändertes Gestein ausweichen, wie z.B. Daino.

Ist Travertin für Fassaden geeignet?
Fast alle Travertine sind für Fassaden geeignet. Hierbei sollte man aber auch auf die Spachtelung verzichten, oder eine Variante wählen, die Frostbeständigkeit garantiert.

Kann man Mauerabdeckungen aus Travertin fertigen?
Aber sicher doch, wenn man einige kleine Details beachtet. Auch hier sollte eine ungespachtelte Variante verwendet werden. Die Unterseite der Platten haben alte Hasen früher schon mit einer Abdichtung eingestrichen, damit keine Feuchte von unten oder nach unten eindringen kann.

Kann man Travertintische in Außenbereichen verwenden?
Bis auf wenige Ausnahmen ist das möglich. Je dicker das Material, desto beständiger ist es auch gegen hart abgesetzte Bierhumpen. Tische in Außenbereichen sollte man mit einem guten Marmorwachs satt einreiben und dem Endkunden empfehlen, dies regelmäßig zu wiederholen.

Terrassenplatten aus Travertin, was ist zu beachten?
Travertin war und ist ein beliebtes Material für die heimische Terrasse. Wichtig ist in unseren Breiten, dass keine Polyesterspachtelung verwendet wird. Offenporig ist Travertin i. d. R. auch ausreichend rutschsicher mit einer geschliffenen Oberfläche. Wie im Innenbereich ist der Schnitt „gegen das Lager“ auf einem verfärbungsfreien Splitt sollte man Platten ab d = 3 cm verwenden. Eine Verlegung im Mörtelbett war früher die Standardverlegung auf einer Betonplatte.

Travertin für Schwimmbäder?
Ungespachtelter Travertin (gegen das Lager) ist das ideale Material für Schwimmbäder, wenn der Kunde einen Kalkstein wünscht. Durch die langsame Entstehung an fließenden Gewässern sind die für Dauernaßbereiche störenden Bestandteile, wie Fossilien, Kohle oder Lehm nicht oder kaum vorhanden. Dadurch ist auch die Frostbeständigkeit gegenüber anderen Kalken wesentlich höher. Chlorbleichlauge, die zur Desinfektion oder gegen Algen einsetzt wird, greift den Travertin nur geringfügig an. Allerdings spielt es eine große Rolle, wie der pH–Wert im sauren Bereich eingeregelt wird. Bei Salzsäure, einem in Wasser gelösten Gas, werden auch Granite stark angegriffen. Siehe auch im bei uns erhältlichen Buch „Naturstein in Alltag“ ab Seite 61. Durch die poröse Oberfläche ist auch eine ausreichende Rutschsicherheit i. d. R. garantiert. Eine Desinfektion mit Glukoprotaminen oder quartiären Ammoniumverbindungen ist problemlos möglich.

Wie reinigt man Travertin?
Wie bei jedem Kalkstein ist ein klassischer Seifenreiniger oder eine Steinseife ideal für die pflegende Reinigung. Sollte die Patinierungsschicht im Laufe der Jahre zu ungleichmäßig sein, muß die Kalkseifenschicht mit einem säurefreien Grundreiniger entfernt werden.

Wie schütze ich Waschtische vor Flecken?
Die älteste Methode ist regelmäßiges Einwachsen mit einem geeigneten Marmorwachs.