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Sanierung von Naturstein- und Kunststeinböden

Nachhaltigkeit bei Bodenbelägen ist nicht nur eine Sache des Herkunftslandes, sondern vor allen Dingen der kalkulatorischen Nutzungsdauer. Im Privatbereichen sind 30 Jahre keine Seltenheit, bei gewerblicher Nutzung liegt die Spanne zwischen 10 und 50 Jahren. Ein Austausch des Belags ist bei mineralischen Bodenbelägen immer mit hohem Aufwand verbunden, anders als bei PVC, Linoleum usw. Deshalb ist die Sanierungsfähigkeit ebenfalls in die Nachhaltigkeitsrechnung einzubeziehen. Mit Hilfe von Herrn Andree Biermann, einem Sanierungsfachmann haben wir diesen Newsletter erstellt. (https://www.naturstein-biermann.de)
Das Unternehmen Naturstein Biermann wurde im Jahre 1966 von den Eheleuten Friedhelm und Edith Biermann gegründet. Mitte der 70er Jahre konnten die beiden Söhne der Familie Biermann ihre ersten Erfahrungen im Familienunternehmen sammeln. Im Jahre 2000 wurde der Familienbetrieb von Andree Biermann in 2. Generation übernommen und wird von diesem bis heute weitergeführt. Die Kunden sind u. a. Steinmetzbetriebe, Fliesenleger, Wohnungsverwaltungen und weitere Privat- und Geschäftskunden.

Was fällt unter Sanierung bei Bodenbelägen?
Alles was mit einer Grundreinigung nicht „repariert“ werden kann. Dazu gehören u. a. Laufstraßen, Kratzer, Verfüllung von alten Bohrlöchern, erneutes Spachteln und Schleifen (Travertin), Ergänzen von Fehlstellen oder Materialauflösungen.

Sind alle mineralischen Materialien sanierungsfähig?
Definitiv nein. Naturstein mit bearbeiteter Oberfläche, die nicht spaltrau ist, kann meistens wieder hergestellt werden. Marmor- und Quarzagglos ebenfalls. Bei Feinsteinzeug ist nur die polierte Variante ggf. wieder herstellbar. Bei allen anderen Oberflächen kann die ursprüngliche „Brennhaut“ nicht wieder hergestellt werden.

Was sollte vorab geprüft werden?
1) Denkmalschutz
Das sollte man den AG zuerst fragen. Besteht ein Denkmalschutz? Denn dann ist der zuständige Denkmalpfleger in die Planung einzubeziehen. Wer möchte schon den Aachener Dom mit einem „neu“ aussehenden Boden aus Kalkstein sehen, der wie eine Speckschwarte glänzt. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Patina ist auch Gebäudegeschichte.
2) Ursprüngliche Oberfläche
Nicht immer ist in alten Gebäuden oder Außenanlagen die ursprüngliche Oberfläche erkennbar.
War sie poliert oder geschliffen, ist im Innenbereich meistens die Frage. Heute sind geflammtgebürstet, satinierte, matt gebürstet Bearbeitungen usw. möglich. Im Außenbereich gab es neben den bekannten „gestockt“, „geflammt“, „sandgestrahlt“ auch die „gesandelte“ Oberfläche, die mit Schmirgel und einem Sandelklotz erstellt wurde. Das kennt kaum noch einer.
3) Grundreinigungsversuch
An einer Testfläche ist zuerst eine klassische Grundreinigung mit einem alkalischen Reiniger durchzuführen. Meistens 1:3 wird der Grundreiniger angemischt. Auftragen und Einwirkzeit 10 min. Danach mit weicher Bürste nacharbeiten. Schmutzflotte entfernen und mehrfach mit Wasser nachspülen.
Bei säurebeständigen Materialien (Granit, Quarzagglos, Feinsteinzeug) sollte ein ähnlicher Versuch mit Amidosulfonsäure gemacht werden. Nach der Trocknung kann man dann beurteilen, ob eine Grundreinigung und Entfernung der Schmutzpolitur ausreicht oder Sanierung angesagt ist.
4) Prüfung der Verlegung
Eine gründliche Prüfung und Dokumentation (Bilder) des Bodenbelags ist notwendig um späteren Schäden oder Reklamationen aus dem Wege zu gehen. Liegen Platten hohl, sind Risse vorhanden, ist Fußbodenheizung darunter, sind Überzähne vorhanden (das ist wichtig für die notwendige Schleiftiefe). Sind sie zu groß, AG darauf hinweisen.
5) Fugen
Der Zustand der mineralischen Fugen ist zu prüfen, z. B. mit einem Taschenmesser. Sind Dehnfugen sichtbar (Alte Beläge hatten vor dem Silikon eine Mischung aus Schlämmkreide und Leinöl als Dehnfugenmaterial. Bei Verdacht, eine Messerspitze entfernen und Feuerzeug drunter halten. Am Geruch merkt man es dann.) oder müssen sie erneuert werden?
6) Kundenwunsch
Was möchte der Kunde? Sandstein poliert geht meistens nicht, Granit geschliffen ohne Schleifspuren auch nicht, möchte er Glanz? Seidenmatt, natürlich wirkend oder speckig glänzend? Die Unterschiede werden bei den Bearbeitungen erklärt.
7) Notwendige Rutschsicherheit
Im gewerblichen Bereichen ist die notwendige Rutschsicherheit zu berücksichtigen. Prüfung nach DIN 51132 und GMG 200

Wo liegen die Grenzen einer Sanierung?
Es wird nur äußerst selten so aussehen, wie frisch verlegt, manchmal ist es sogar besser. Die im Laufe der Jahre in das Material eingedrungene Patina kann nicht immer mit einer Sanierung entfernt werden. Es kommt auf die Eindringtiefe und das Material an. Meistens sind nur oberflächennahe Schmutze entfernbar.
Beispielsweise wird bei einem Sandsteinboden trotz Anschliff sichtbar sein, wo 10 Jahre lang die Schränke gestanden haben. Bei einem Nero Assoluto oder Nero Marquina ist damit nicht zu rechnen. Das Wichtigste, egal ob man twistert, schleift, sandstrahlt etc ist die vorherige Musteranlegung. So kann man dem
Kunden genau zeigen, was geht und was nicht geht.

Welches sind die gängigsten Verfahren?
1) Diamantpads
Diese gibt es seit fast 20 Jahren auf dem deutschen Markt. Unter dem Markennamen „Twisterpads“ der Fa. HTC sind sie meist zu finden. Mit einer normalen Einscheibenmaschine (180U/min), Wasser und 4 -5 verschiedenen Körnungen kann damit die Oberfläche neu geschliffen werden. Die in den Pads enthaltenen Diamanten erreichen bei vielen Materialien sogar Hochglanz.
Tiefere Kratzer, Überzähne usw. können damit nicht entfernt werden. Sie sind geeignet für Marmor, Kalkstein, Betonwerkstein (Härteklasse II), die meisten Marmoragglos mit kleinen Kratzern. Es gibt immer Ausnahmen, wie z. B. Silikatmarmore (Estremoz), die unterschiedliche Härten aufweisen können. Bei unsachgemäßer Anwendung oder Daueranwendung kann eine sogenannte „Orangenhaut“ auftreten. Bei Quarzagglos ist es nur bedingt empfehlenswert, da die Bindemittelmatrix zuerst abgeschliffen wird.

2) konventioneller Schliff
Mit speziellen Schleifmaschinen wird ab dem Korn 60 der Boden komplett neu abgeschliffen und kann meist bis zum Hochglanz gebracht werden. Die Anzahl der Schleifgänge ist auch vom Material abhängig. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Die Spanne reicht von 40€ / qm für Jura bis zu 140€ bei Nero Assoluto poliert. Wie es jeder Steinmetz aus der Werkstatt kennt, rächen sich Schleiffehler der vorherigen Schliffe, wenn man es nicht ordentlich macht. Mit dieser Methode kann fast jedes Material
bearbeitet werden. Die Maschinen und die Schleifmittel sind auf das Material abzustimmen.

Weiterführende Bearbeitungen:
3) Kristallisieren
Die eigentliche Kristallisierung ist eine Behandlung von Oberflächen mit Fluor-Silikaten, die heute auch unter dem Namen Fluatierung bekannt ist. Mit Hilfe des Kristallisationsverfahrens wird bei einem feingeschliffenem Betonwerkstein, Kalkstein- oder Marmorbelag eine in der Regel geschlossenere, härtere und glänzendere Oberfläche durch eine chemische Reaktion zwischen dem Kristallisationsmittel und dem Gestein erzeugt. Die erzielbare Schichtdicke ist je nach Gestein und
Sorgfalt stark unterschiedlich. Dies erfolgt in Kombination mit einem maschinellen Poliervorgang mit speziellen Pads. Dabei reagieren die wasserlöslichen Fluorsilikate des Kristallisationsmittel mit den Calcium-Mineralen des Bodenbelags. Es bilden sich wasserunlösliche Magnesiumfluoride, Calciumfluoride und Kieselsäure nach der Reaktionsgleichung:
MgSiF6 + 2 CaCO3 => MgF2 + 2CaF2 + SiO2 + 2CO2

Die daraus entstandene Oberfläche setzt sich aus Calciumfluorid (CaF2), Magnesiumfluorid (MgF2) und eingelagerten Quarzen (SiO2) zusammen und ist i. d. R. gering wasserdurchlässig. Bei Hartgesteinen, die keinen Kalkanteil besitzen, wie z. B. Granit, ist diese Methode wirkungslos. Der einfache Test ist mit Amidosulfonsäure machbar. Schäumt es nicht heftig, ist kein Kalkanteil vorhanden.
Aber auch Weichgesteine lassen sich nicht immer kristallisieren. Dolomitmarmore (Thassos), Silikatmarmore oder echte Dolomite, die oft mit Kalksteinen verwechselt werden auf Basis von Magnesiumcarbonaten sind i. d. R. nicht homogen kristallisierbar, da nur die evtl. vorhandenen calcitischen Bestandteile Reaktionen zeigen. Der Glanzeffekt wird von einigen auch als „speckig“ und unnatürlich bezeichnet.

4) Kleesalzpolitur
Statt mit einem Fluorsilikat wird i. d. R. „Kleesalz“ als Poliermittel benutzt. Dieses bereits in früher Zeit als Poliermittel benutzte „Salz“ macht salopp gesagt einen Calcium / Kalium Austausch an der Oberfläche der Steine (Bildung von Calciumoxalaten). Basis ist ein Gemisch aus Kaliummonooxalat bzw. Kaliumtetraoxalat. Es ist ein feinkristallines farbloses Pulver, das sich in Wasser auflöst. Ein Beispielprodukt wäre P 727 der Fa. Möller Chemie. 

Betonwerk- oder Natursteine werden mit Kleesalz poliert, indem das Polierpulver auf den feucht gemachten Stein oder Polierfilz aufgetragen wird. Kleesalz ist ätzend und toxisch. Bei harten Gesteinen, wie Granit ist Kleesalz ungeeignet. Bei Betonwerksteinen der Härteklasse I ist die Anwendung ebenfalls zweifelhaft. Thassos und andere
Dolomitmarmore können damit poliert werden. Es entsteht ein natürlich aussehender Glanz.

Imprägnierungen und andere Nachbehandlungen?
Das ist eigentlich ein eigenes Thema, aber besonders bei alten Böden ist Vorsicht geboten. Die „Patina“ kann zu unliebsamen Reaktionen mit den modernen chemischen Mitteln führen, hier gilt auch die EDV-Abkürzung „NTARS“ → „never touch a running system“. Deshalb hier ein Auszug aus dem Newsletter 2007 / 07 zu den alten Methoden:
Natursteinböden wurden bereits im Altertum mit einem Gemisch aus Terpentin und Bienenwachs eingerieben. Terpentin oder auch Balsamöl wird aus frischem Baumharz gewonnen. Nach dem Anschneiden der Rinde wurde das ausgetretene Harz gesammelt und grob gereinigt. Nach der vorsichtigen Erhitzung wurde es früher durch Stroh gefiltert und dann aufgefangen. Das feinste europäische Terpentin gewinnt man noch heute aus der europäischen Lärche. Terpentin sollte nicht mit Terpentinersatz oder Terpentinöl verwechselt werden. Dann wurde gereinigtes Bienenwachs erwärmt, bis eine dickflüssige Masse entstand. Dieses Wachs wurde dann langsam in das Terpentin eingerührt bis eine pastöse Masse entstand, die in verschlossenen Gefäßen auskühlte.
Diese Paste wurde dann von Hand mehrfach, bis zur Sättigung auf den Boden aufgetragen, was auch zu einer Farbintensivierung führte und nach dem Polieren mit einer Bürste seidenmatt glänzte. Bei Fensterbänken und Waschtischen ist es immer noch das optimale Einpflegemittel.
Wer sich das teure Terpentin nicht leisten konnte, griff auf Leinöl zurück. Getrocknete Leinsamen wurden gemahlen und mit Wasser zu einem festen Teig geknetet. Diesen Teig hat man dann „geröstet“ und ausgepresst. Aus 10 KG Leinsamen können ca 2l Öl gewonnen werden. Wollte man dünnflüssiges Leinöl erhalten, so verwendete man ähnlich, wie beim Olivenöl die Kaltpressung. Es dringt tiefer in die Poren ein. Der Boden wurde mit dem Leinöl getränkt, bis er nichts mehr aufnahm und die Poren „dicht“ waren. Das Leinöl „polymerisierte“ aus und erhärtete sich. Danach wurde nachpoliert. Leinöl kann ausbleichen, deswegen kann es, je nach Sonneneinstrahlung zu Farbveränderungen kommen. Um diesen Effekt zu verringern hatte man bereits früh eine Lösung herausgefunden. Das Leinöl wurde ausgebreitet und Monate lang dem Sonnenlicht ausgesetzt, was zu einer Verdickung und Bleichung führte. Dann gab man wieder Lösemittel hinzu und trug die Schicht wie beschrieben auf. Leinöl ist bei feiner Verteilung, z. B. auf einem Lappen selbstenzündlich und sollte entsprechend vorsichtig gehandhabt werden. Am einfachsten ist es, die Lappen in einem alten Gurkenglas mit verschlossenem Deckel bei Nichtgebrauch (auch kurze Zeit) zu lagern.
Beide vorgenannten Verfahren sind heute noch im Gebrauch, aber relativ teuer und nur bei ausgetrockneten Verbundkonstruktionen zu verwenden. Auch die Geruchsbelästigung ist nicht zu unterschätzen. Terpentin ist zwar natürlichen Ursprungs, aber trotzdem ein giftiges Lösemittel.
Durch die elektrischen Schleifmaschinen wurden Steinböden immer populärer und auch nicht mehr nur in gehobenen Bereichen eingesetzt. Die klassischen Einpflegemethoden waren i. d. R. dort zu teuer und sie wurden nach der Verlegung lediglich mit Seife „geputzt“ und aufgebürstet. Die älteren Generationen kennen
noch den „Bohnerklotz“, mit dem dann der Boden aufgepeppt wurde.

Herr Bierman, wie sehen Sie die Gewährleistung bei einer Sanierung?
„Auf Oberflächensanierungen gibt es generell keine Gewährleistung. Diese hatte der Boden bereits nach Neuverlegung. Das langanhaltende Ergebnis einer Sanierung hängt von vielen Punkten ab, auf die der Sanierer keinen Einfluss hat, wie z.B. die anschließende Reinigung und Pflege. Einmal falsch gereinigt ist das Ergebnis evtl. beeinträchtigt oder zerstört. Dafür ist nicht der Sanierer haftbar zu machen. Generell unterliegen diese Arbeiten auch nicht der VOB, es sei denn dies wird mit dem Kunden so vereinbart. Hier ist aufzupassen, was dies beinhaltet. Wie z.B. die Zahlungsweisen von bis zu 60 Tagen nach Rechnungseingang beim Kunden.
D.h. sitzt der Architekt zum Prüfen noch eine Woche nach Eingang auf der Rechnung, läuft die Uhr auch erst wenn er diese dem Kunden weitergeleitet hat.“

Fazit: Naturstein ist prädestiniert für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur. Er kann mehrere Sanierungen meistens besser überstehen als das Gebäude in dem er eingebaut wurde. Sanierung bedeutet aber auch ein hohes Fachwissen um die Umstände. Nicht jedes Unternehmen, das Bodensanierungen anbietet, ist auch kompetent. Schwarze Schafe gibt es in jedem Fachgebiet.