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Marmor mal anders gesehen

Die Bezeichnung „Marmor“ wird leider immer noch für alle Arten von polierbaren Kalksteinen benutzt, aber auch polierbare Serpentinite (z. B. Verde Guatemala), Konglomerate usw. werden fälschlicherweise Marmor genannt.
Was ist eigentlich geologisch gesehen ein Marmor?
Marmor ist die Sammelbezeichnung für metamorphe Gesteine, die aus kalkigen oder dolomitischen Sedimentgesteinen entstanden sind. Bei der Umwandlung gehen alle im Ursprungsmaterial vorhandenen Strukturen verloren. Ein Gestein, das z. B. Fossilien enthält, ist kein Marmor. Reiner Marmor ist weiß, Kohlenstoff sorgt z. B. für graue Farbe (die grauen Adern im Carrara C). Nero Marquina oder Port d´Oro sind Kalksteine. Auch Rosso Verona ist kein Marmor, sondern ein Massenkalk.

Ist Marmor immer ein Kalkstein gewesen?
Nein, denn es gibt auch den sogenannten Dolomitmarmor, wie z. B. Thassos oder Palisandro. Eine Besonderheit dieser Marmore ist, dass eine Kristallisierung mit Magnesiumhexafluorid i. d. R. nicht funktionieren kann.

Warum sind manche Marmore so schlecht polierbar?
Das hängt von den „Zusätzen“ ab. Es gibt z. B. Marmorsorten, die z. B. Silikate enthalten. Entweder die Fläche glänzt und es fühlt sich rau an, oder es fühlt sich glatt an und sieht im Gegenlicht „scheckig“ aus. Ein extremes Beispiel ist ein Marmor aus Mozambique, in dem grünliche Quarze eingelagert sind, die einen Durchmesser von bis zu 4 cm haben. Ein weiteres Kriterium für die Polierbarkeit ist die Größe und Art der Porenräume, die von den Bildungsbedingungen abhängt.

Gibt es auch spaltraue Marmore?
Spaltraue Marmore gibt es. Speziell die Rauriser Marmore sind als 30er Bahnenware in weiß und in graublau mit spaltrauer Oberfläche zu bekommen. Auch Pflastersteine können aus den Rauriser Marmoren hergestellt werden.

Was sollte ich meinem Kunden zu den Gebrauchseigenschaften sagen?
Der Bericht von Herrn Harald Zahn in der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Naturstein“ hat mal wieder gezeigt, wie wirklichkeitsfremd unsere Justiz ist. Man ist demnach gezwungen, sich rechtlich gegen Nutzung abzusichern. Wir haben mal „scherzhaft“ eine passende Empfehlung dazu geschrieben: “Wie bei jedem Material, ob Teppich, Holz, Keramik oder Naturstein zeigen sich durch die Nutzung Spuren. Wann z. B. „Laufzonen“ entstehen, hängt von den Umgebungsbedingungen ab. Auch Säuren, Öle, Laugen können Flecken hinterlassen. Scheuersand kann die Oberfläche verkratzen. Sollten keine Laufzonen im Bodenbelag gewünscht sein, so darf der Bodenbelag nicht betreten werden.“

Sind Preller oder auch Taroli genannt Transportschäden?
Nein, sogenannte Taroli treten auf, wenn Minerale vorhanden sind, die eine gute Spaltbarkeit in mehreren Richtungen besitzen, wie z. B. Calcit oder Dolomit. Bei Belastung, z. B. durch Schleifen, brechen durch den Druck des Werkzeugs kleine „Spaltkörperchen“ aus, die dann kleine „Löcher“ hinterlassen. Selbst bei vorsichtigster Bearbeitung sind Taroli nicht immer ausschließbar. Die Größe und Anzahl hängt von der Bearbeitungsqualität, der Gesteinssorte und dem jeweiligen Block ab.

Ist Marmor frostfest?
Es gibt durchaus frostfeste Marmore. Auch hier ist wieder der Rauriser Marmor zu nennen, der in der Alpenrepublik für Außenanlagen in Schwimmbädern gern genutzt wird. Auch Rusita ist frostbeständig. Ob eine Sorte im Einzelnen nicht zerfriert, kann Ihnen z. B. ein Geologenbüro im Rahmen einer (zu bezahlenden) Untersuchung nennen.

Muss ich immer einen weißen Mörtel bei Marmor nehmen?
Die Verwendung von weißen Klebern ist zu empfehlen. Je nach Dicke und Materialsorte können dunkle Mörtel „durchscheinen“. Auch bei den Fugmaterialien ist auf die jeweilige Marmorsorte Rücksicht zu nehmen.